#033 Wendezeiten: Unsere ganz persönliche Wiedervereinigung
20.01.2026 30 min
Zusammenfassung & Show Notes
1989 fiel die Mauer – aber nicht alle Mauern verschwanden sofort.
Was bedeutet Wiedervereinigung wirklich? Und wie hat sie das Leben von Menschen mit ganz unterschiedlichen Biografien geprägt?
Was bedeutet Wiedervereinigung wirklich? Und wie hat sie das Leben von Menschen mit ganz unterschiedlichen Biografien geprägt?
In dieser besonderen Folge nehmen wir euch mit auf eine Zeitreise zurück in unsere Kindheit – in zwei verschiedenen deutschen Staaten. Wie war das Leben mit der Mauer? Was hat der Mauerfall mit unserer Identität gemacht? Und warum gäbe es "uns" ohne diesen historischen Moment vielleicht gar nicht?
Eine sehr persönliche Folge über Herkunft, Grenzen, Ost und West – und darüber, warum Geschichte mehr ist als Zahlen und Daten. Es geht um Identität, Erlebnisse und um das, was wir bis heute aus dieser Zeit mit uns tragen.
Themen dieser Folge:
- Wie Arne den Mauerfall in Westberlin erlebte
- Vanessas Erinnerungen an die DDR-Kindheit
- Warum persönliche Geschichten Geschichte lebendig machen
- Was die Wendezeit mit Inklusion zu tun hat
- Reflexion 35 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung
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Wenn dir die Folge gefallen hat, teile sie gerne mit Menschen, die spannende persönliche Geschichten rund um den Mauerfall zu erzählen haben. Wir holde die Erlebnisse in unseren Podcast. un | begrenzt
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Bis zum nächsten Mal!
Vanessa Köllner und Arne Schöning
Transkript
1989, die Mauer ist gefallen, aber damit sind ja nicht die Grenzen einfach weg.
Im Prinzip, ja, die Mauer, die Trennung zwischen Ost- und Westdeutschland als größte
Barriere, eigentlich jemals gefallen ist, zumindest für uns, denn wir beide hätten uns
sonst nie kennengelernt in so einer Art Misch-Ehe.
Also Arne aus Westberlin, ich aus Leipzig.
Ja, es gäbe kein Wir auf jeden
Das ist richtig.
Und damit erst mal willkommen zum Unbehindert Podcast.
im Januar 2026.
Die Idee zu dieser Folge kam mir schon vor längerer Zeit.
Ich bin nämlich ein eingefleischter Fan von Geschichtspodcasts.
Und letztes Jahr im Herbst hatten wir dann die Feierlichkeiten zum
35-jährigen Jubiläum der Wiedervereinigung.
Und ja, die Idee entwickelte sich dann eben immer so weiter.
Da draußen sind bestimmt ganz viele Geschichten von Menschen aus der Zeit, die ja gerne
erzählen wollen, was damals alles passiert ist, was sie erlebt haben und vor allem, was
auch in den Folgejahren passiert ist.
Denn wie gesagt, nur dass die Barriere weg ist, heißt ja nicht, dass hier Friede, Freude,
Eierkuchen, alles
perfekt ist.
Und wir möchten euch heute mitnehmen in diese Zeit und erzählen einfach mal aus unseren
Perspektiven, wie wir das damals erlebt haben.
So, liebe Anne, du warst zwölf.
Es ist länger höher als man denkt.
Wir waren jung und frisch.
Das ist richtig.
Du warst zwölf, ich war acht, achtenhalb.
Und wie hast du die Zeit vor dem Mauerfall erlebt?
Also als noch alles wie früher war, also quasi die Mauer steht, es gibt Ostdeutschland, es
gibt Westdeutschland.
Ich habe ja in West-Berlin gelebt, genauer gesagt in Spandau.
Und für mich war die Mauer schon immer extrem präsent, die war quasi vor der Haustür.
Also ich bin ja raus bei uns aus der Haustür, im Wald, mit dem Fahrrad oder mit meinen
Freunden.
Und dann war immer irgendwann Schluss.
Es war immer eine Mauer da.
Ich habe es jetzt nicht als eingesperrt empfunden oder so was, aber es war halt schon
irgendwie so skurril.
Auf der anderen Seite hast du Menschen mit Waffen gesehen.
wir sind dann auch in Spandau gibt es so einen alten
Mauerberg, glaube, Haneberg heißt es genau, zum Drachensteigen.
Und dann kamen so ab und an so Sprüche von drüben hier nicht so weit rüber.
Und wenn wir mit den Drachen zu weit über die Mauer geflogen sind und solche Sachen alles,
das war schon irgendwie skurril.
Aber ansonsten, ich glaube, ganz vieles rührt heutzutage auch aus Geschichten oder
Dokumentationen.
Mit zwölf.
So präsent ist es nicht.
Aber es gibt so ein paar Kleinigkeiten, wo man schon sagt, da kann ich mich genau dran
nennen.
Wie zum Beispiel das Drachensteigen auf diesem Berg.
Du hast wirklich vis-à-vis, Aug in Aug mit den Grenzsoldaten gesessen.
Für mich als Kind war es total skurril, dass jemand mit einer Waffe rumläuft.
Aber Wie ist es bei dir, wenn du heute Ost oder West sagst, löst es bei dir noch irgendwas
aus?
Ist es für dich eher so ein Beschreiben deiner Herkunft oder der Identität oder eher eine
Himmelsrichtung?
Oder hat es halt heute immer doch noch so was wie so ein Stempel auf der Stirn?
Glaube, dass da wirklich noch viel Identität ist, dass auch ich mich stark damit
identifiziere, aus dem Osten zu kommen.
Aber eher auf der Basis von Sozialisation.
Also was habe ich vor 1989 erlebt und was habe ich danach erlebt?
Ja, aber es ist ja irgendwie so skurril, weil wir ja eigentlich mehr Lebenszeit ohne Mauer
erlebt haben und ohne Trennung und ohne zwei Staaten und alles, als dass wir mit erlebt
hätten.
Also wir haben ja eigentlich viel mehr Zeit und trotzdem ist es noch das, was anscheinend
so prägend ist.
Ja, das meine ich ja, weil ich glaube, die 90er waren ja das, was dann geprägt hat.
Und ich hatte ja gerade erwähnt, ich war acht.
Also zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung war ich dann neun.
Und dann nimmst du natürlich vieles sehr genau wahr.
Du wächst da so rein und erlebst natürlich auch alles zum ersten Mal.
Und das ist ja das, was ich meine mit Sozialisation.
Also wie hast du das erlebt und wie bist du da?
beeinflusst wurden.
gut, ich muss jetzt dazu sagen, so wirtschaftlich war das für uns keine leichte Zeit.
ja, man muss dazu sagen, ihr wart selbstständig in der DDR.
genau, meine Familie hatte eine Gärtnerei.
Selbstständig in der DDR, das war was Besonderes, das gab es nicht oft.
Und du hattest schon, glaube ich, große Probleme dann.
Also du konntest die Sachen ja nicht so verkaufen, du sie, oder zu dem Preis verkaufen,
wie du sie produziert hast.
mit dem Mauerfall oder mit der Wiedervereinigung wollte dann natürlich auch keiner mehr
die Sachen haben.
Und für meine Eltern war das natürlich ein komplett neuer Lebensabschnitt.
die Menschen mussten ja so viel umlernen.
Ich glaube, das wird mir jetzt heute mit Mitte 40 erst bewusst.
Das Thema Marktwirtschaft hat euch natürlich noch härter getroffen.
wenn man jetzt auf einmal...
Also so eine Primel aus dem Westen im Westbau-Markt war auf einmal irgendwie gefühlt mehr
wert als die Primel aus der Ostgärtnerei.
Skurrilerweise.
es gibt ja jetzt eine ganz starke Bewegung dahin, regional und aus der Umgebung etc.
Und das war damals wirklich verpönt.
Also so Sachen wie Rotkäppchensekt oder die Spreewaldgurke, das war erstmal nicht mehr so
sexy und attraktiv.
Aber spannend, wie sich das dreht, Heute ist es wieder eher Kult.
Ja, und das hat ja lange gedauert.
meine, wenn wir darüber sprechen, wie sehr hat das mein Leben beeinflusst?
Wir hatten ja dann die ultimative Freiheit.
Das war ja auch das, was viele wollten, also gerade die Reisefreiheit und auch die
Freiheit, Beispiel die Berufe zu ergreifen, die wir wollen.
Oder zu studieren, wenn du das möchtest.
Ich hätte ja wahrscheinlich ...
So ist die DDR länger gegeben hätte.
Ich hätte nie studieren können.
Also wahrscheinlich nicht ohne Parteibuch.
auch noch in einer evangelischen Kirche.
Also eigentlich warst du ja schon fast Staatsfeind.
Und trotzdem Jungpionier.
Ich hab's noch erlebt.
Genau.
dieses ...
Für uns war halt immer klar, der größte Teil derer, um uns rum sind, werden weggehen.
Also, es gab ja nicht genug Arbeit, gab nicht genug Ausbildungsplätze, et cetera.
Es gab Menschen, oder Jugendliche, die sind mit 16 irgendwie runter nach
Baden-Württemberg, um eine Ausbildung zu machen.
Aber das war ja nicht in dieser Anfangseuphorie 89.
Das kam ja dann so Mitte der 90er, wo es dann halt losging, dass die Firmen geschlossen
haben, dass Treuhand , wollen wir hier jetzt nicht behandelt, noch mal ein ganz anderes
Thema.
Aber dann ging es ja los.
Dann ging das große Ausbluten los und dann hast du ja auch quasi, bist ja auch gegangen.
Ja, also ich bin ja relativ lang geblieben.
Bis 24, also bis zu einem Alter von 24.
Und dann aber auch weggegangen und erst mal nach Paris.
Och so eigentlich, ne?
Wahrscheinlich der Traum vieler.
Also, hätten sich ja viele überhaupt nicht vorstellen können.
Ja, so 20 Jahre davor war das einfach überhaupt nicht möglich.
Und dann eben nach Berlin.
Und Berlin eigentlich nur, weil es so nah wie möglich an Leipzig war, dass man halt die
Nähe zur Familie hat.
trotzdem Shops gab.
Genau.
ja das das große Thema gewesen.
Ja, ich glaube schon, dass da dieser Umbruch, weil das ist uns jetzt ja auch so bisschen
mal bewusst geworden, als wir letztens darüber gesprochen haben, wahrscheinlich einfach
viel, viel zu schnell ging.
Also ich meine, toll, dass das alles passiert ist, sonst würde es uns hier nicht geben.
gibt wahrscheinlich auch ganz viele Geschichten von Menschen, die nicht so tolle
Erinnerungen haben.
Ich meine, für uns ist es natürlich positiv gelaufen, aber die Geschwindigkeit in der
Zeit,
Grenzöffnung, Mauerfall, Geld und dann auch Wiedervereinigung.
Das war ja Wahnsinn.
Also wenn ich jetzt manchmal sehe, so keine Ahnung, 93 war vielleicht zum Beispiel jetzt
mein Schulgebäude schon saniert.
Ja, was vorher einfach echt abgerockt war.
Da denke ich mir so, Wahnsinn, diese diese Schnelligkeit.
Also meine Schulen, sowohl die Grund- als auch die Oberschule, wurden in der Zeit im
Westberlin definitiv nicht saniert.
Weil damals war es ja dann so, das war ja dann so bisschen auch die Umkehrung.
Also bei mir, meine Erinnerung daran, als ich Kind war, wurde halt bei uns im Westen gar
nichts mehr saniert.
Und es ist alles in Osten geflossen.
bei mir als Kind ist damals das Gefühl entstanden.
Ja super, jetzt sind die gekommen und jetzt kriegen die alles.
Das war das, was bei mir als Kind, als 12-jähriges Kind irgendwie so hängen geblieben ist.
Es ist erstaunlich, dass das dieses Gefühl ist, weil heute ist es ja auch, wenn jemand
geflüchtet vom Krieg nach Deutschland kommt, hat man das Gefühl, ja super, die kriegen
jetzt alles in den Hals gesteckt.
Und das Gefühl hatte ich damals nach der Maueröffnung mit den Leuten, die aus dem Osten
kamen.
Ja, das mit Sicherheit.
Für uns war das aber eher dieses, erst mal aufs Stand kommen.
weil wir ja so...
Also, gerade die Gebäude waren halt echt durch.
Ich weiß, in Leipzig wunderschöne Gebäude, aber teilweise gesperrt.
Einfach weil sie einsturzgefährdet waren.
Da wurde ja viel gerettet auch durch dieses viele Sanieren.
Und wenn wir nach Westdeutschland kamen, also für uns war ja alles schick in unseren
Augen.
Dieses Gefühl, was ich da verbinde oder die Erinnerung ist bunt, süß, hell.
Ach, das sind so die Bilder, wenn du an die Teil zurückdenkst und so Bilder im Kopf hast
oder Gefühle, das ist das, an was du dich erinnerst.
also gerade dieses, dieses bunte, also das erste Mal in einem Supermarkt, mein Gott, das
war so, ja.
wenn ich daran denke, also Erinnerung an mich, ich habe ja in Spandau gewohnt, bei uns hat
es eine Weile gedauert, bis dann der Grenzübergang offen war, aber dann war ich an der
Hauptverkehrsstraße und dann alles was so aus westlich von Berlin reingefahren ist, kam
bei uns an der Straße vorbei und ich habe nur die Erinnerung, dass wir alle Fenster, die
zur Straße gingen, haben wir zugemacht.
Uch.
die ganzen Trabis und Wartburgs an uns vorbeigefahren sind und bei uns war auch Stau
teilweise vor der Tür.
Und das war so ungewohnt und weil wir das ja nicht kannten, den Geruch, Also was du, du
hast bunt und Gerüche und alles und ich habe halt irgendwo Dreck und schlechte Gerüche.
Hahaha
Erinnerung.
ist schon irgendwie so skurril.
Ja, ähm...
Also gerade dieses Bunte, ich war zweite, dritte Klasse und dann gab es halt nicht nur die
gelben Bleistifte, diese normalen, sondern irgendwie mit Aufdruck und mit ganz anderen
Farben.
Also das sind ja Sachen, die dich als Kind sofort kriegen.
Haarspangen.
Ja, ja, das war echt ein Ding.
hat auch die Vanessa mal ihre Prinzessin raushängen lassen?
Ja, schon.
Rosa.
Rosa war echt so ein Thema.
Aber parallel dazu, auch total skurril, wenn ich in die Schule gegangen bin, wusste ich
halt nie, welche Schüler sind noch da und welche Lehrer sind noch da.
Weil ständig Menschen verschwunden sind.
Also...
den unterschiedlichsten Gründen wahrscheinlich.
Die einen sind weggegangen, die anderen vielleicht auch bei Lehrern aus politischen
Gründen.
oder freigestellt, wie auch immer.
Ja, mein Lieblingslehrer damals auch, der war dann auch weg, das war wirklich schade, weil
der hat wirklich einen guten Job gemacht.
Weißt du warum oder?
Der war Pionierleiter zu DDR-Zeiten.
Da bist du wahrscheinlich behaftet, vermute ich.
aber da hat man ja auch, glaube ich, Nach-, also mit dem Wissen von heute und
wahrscheinlich hätte man das Wissen damals auch schon haben können, auch vieles falsch
gemacht.
Da hat man so bisschen so einmal mit der Sense entlang und ich glaube, das ist auch so
dieses Gefühl, was heute entsteht.
Also, dass man halt sagt, ja, alles, was damals war, war schlecht, war es ja nicht.
Und man hat aber irgendwie so bisschen in dieser Anfangsphase gehabt, man will alles, was
irgendwie DDR war, ablegen und alles neu machen und
Jetzt bereut man es halt so ein bisschen, dass man da nicht differenziert dahin geguckt
hat und geschaut hat, lass uns doch mal, heute würde man sagen, neudeutsch und im New
Work, lass uns mal alles auf eine Liste schreiben, Gutes und Schlechtes, und dann schauen,
was man von welcher Seite übernehmen kann.
Ja, der nachhaltige Effekt.
Das war, glaube ich, alles sehr kurzfristig.
Und man kann es ja verstehen, die Leute waren so bisschen ausgehungert.
Das ist richtig.
Aber abgesehen von diesen Schulgebäudesachen, gibt es denn Dinge, die sich für dich im
Leben geändert haben?
Also auch im Positiven oder als Vorteil, die sich nicht geändert hätten, wenn die Mauer
weiter bestünden hätte.
das war jetzt sehr theoretisch.
Also was war denn für dich auch ein positiver Effekt des Mauerfalls?
Also für mich wirklich auch einiges.
Also erstmal, ja, wir haben uns kennengelernt.
Aber auch ich habe ja sehr intensiv Handball gespielt und wir haben durchaus noch eine
andere Förderung gekriegt.
Wir haben uns dann damals mit einer Mannschaft aus dem ehemaligen Ostteil, wo ja
Sportförderung noch viel größer geschrieben war als bei uns, zusammengetan.
Davon habe ich profitiert von Trainern, die aus dem Ostblock kamen.
Ich hatte dann einen Trainer eine Zeit lang, der aus Weißrussland kam.
und dadurch dann halt im Westen trainieren konnte.
Und das Thema Reisen, das hat man ja auch immer nie auf dem Schirm Man redet immer von
Reisefreiheit von den ehemaligen DDR-Bürgerinnen.
Aber für mich als Kind ganz krass in Erinnerung war ja auch das Reisen aus Westberlin.
Wir sind immer mit dem Auto gefahren.
Meine Tante hat damals schon in Kiel gelebt und mich wollten sie mal nicht rauslassen.
Also meine Erinnerungen sind lange Warteschlangen an der Grenze, Diskussionen mit
Grenzbeamten, dann bei der Ausreise jedes Mal so ein ganz komisches Gefühl ist irgendwas
und das eine Mal haben wir wirklich mehrere Stunden gestanden, weil irgendwie mein
Kinderausweisdokument nicht ordentlich gescannt war oder sowas und sie dachten nun, meine
Eltern wollen ein Kind aus der DDR einführen und wollten mich dalassen, weil, und das war
ein Riesending, also das ist...
Ja.
Das war weg auf einmal.
Man konnte ins Auto steigen, man losfahren.
konnte die Fahrradwege, wo ich früher mit dem Fahrrad als Kind gefahren bin, da war auf
einmal keine Mauer mehr, sondern ich konnte einfach zu dem See auf der anderen Seite
fahren und habe da Menschen kennengelernt.
Das waren so Sachen, die ich auf jeden Fall in Erinnerung habe und wo ich denke so wow,
neben dieser
Sache mit dem Ausweis war so meine Prägensgeschichte, da wir auf Mannschaftsfahrten mit
dem Handball gefahren und da haben wir in einer langen Schlange gestanden, es hat einen
weiterer Abfertigungsschalter aufgemacht und wir sind darüber gefahren, dann kam ein Vopo
auf uns zu gerannt.
Ja, Sie dürfen doch hier nicht einfach über die durchgezogene Linie fahren.
Und dann hat der damalige Trainer von uns gesagt, naja, aber der Beamte da hinten hat ja
gesagt, und dann hat er gesagt...
Wir sind ein Arbeiter- und Bauernstaat, wir haben keine Beamten.
Danach haben wir dann an einer Seite gestanden und mussten unseren kompletten Bus mit
Rücksatzbank und so was alles ausbauen.
Das sind meine Erinnerungen an Reisefreiheit.
Man immer gesagt, die Westberliner hatten das ja nie.
Aber als Kind war das für mich so, wo ich dachte, wir sind ja viel mehr eingesperrt als
die Menschen, da in der DDR leben.
Mein Kindheitsgefühl mit zwölf.
Ja, wobei ihr hattet wenigstens die Option, rauszukommen.
Das war ja
als Kind hast du das ja nicht so erlebt.
Ich hab halt nur diese Schikane, wenn man es so nennen will, an der Grenze.
Das sind so meine Erinnerungen.
Deswegen hab ich immer das Gefühl gehabt, ich hab doch viel mehr Einschränkungen als die
Menschen, da jetzt mit dem Trabbi zu uns kommen und die Luft verpesten.
So war das halt so mit 12
Aber ich bewundere gerade, wie gut du schon Sächsisch gelernt hast.
Nö?
Nö?
Ich muss ja immer bei der Familienveranstaltung und so
Aber glaubst du, dass es noch mehr Sachen gibt, die sich auf unsere Beziehung auswirken?
Wo siehst du da Unterschiede oder Einflüsse?
Na, glaube, das hast du ja schon gesagt, deine Familie ist ja noch teilweise sehr
nostalgisch, also die hängt noch sehr an dieser Zeit.
Deswegen ist es auch oft ein Thema bei uns, über das wir überreden, was ich gut finde,
weil man da so die verschiedenen Blickweisen, also du warst ja auch genauso überrascht,
wenn ich dir so manches erzählt habe, wie ich es empfunden habe und du bist manchmal sauer
darüber, dass ich es nicht so ganz erkenne, wie schwer die Zeit für euch war, weil ich sie
anders erlebt habe.
Es bringt uns ja weiter, wenn man einfach auch darüber spricht.
Jeder hat halt irgendwie eine andere Erfahrung gesammelt, jeder hat andere Lebensweisen
gesammelt, weil er auch eine andere Ausgangsposition hatte.
Ich war das Kind aus dem Westen, vermeidlich ohne Grenzen.
Du warst das Kind aus dem Osten mit allem mitgenommen, keine Jobs, Elternpleite gegangen,
Geschäftspleite gegangen, schwer gehabt eine Ausbildung zu kriegen.
Und ich habe meinen glatten Weg mit Schule und alles genommen und Ausbildung.
Und jetzt ist die Frage, war das jetzt nun wegen Ost und West oder war es einfach unsere
persönliche Geschichte?
Keine Ahnung.
Es ist häufiger ein Thema als ich denke, aber bei uns noch.
Also bin ich immer wieder staunt und genau deswegen machen wir auch jetzt diese
Podcast-Folge und wollen das Thema ja auch in Zukunft vielleicht noch etwas weiter
vertiefen.
Aber...
Grundsätzlich.
Also ich finde wichtig, dass man seine Identität irgendwo bewahrt, aber ich finde es auch
toll einfach nach vorne zu gucken.
Wir sind ja generell eher Menschen, die nach vorne gucken und nicht so viel nach hinten.
Aber gibt es denn so Momente oder Sätze oder Szenen, die dich einfach an die Zeit erinnern
oder dich da wieder zurückversetzen?
Ja, vor allem jetzt, wo wir halt wieder im Osten wohnen.
ja, hm.
Also das ist ja auch so ein Thema, du profitierst ja jetzt vom Aufbau Ost.
Ja, also wir haben letztens ein YouTube-Video gefunden.
Wir sind ja in einen kleinen Ort nach Nord-Brandenburg gezogen, nach Angermünde.
Und wir haben ein Video gesehen, wie das hier aussah, ich glaube 1992 oder 1993.
wenn man es aus dem Blickwinkel sieht, profitieren wir definitiv.
Also hier ist viel Geld reingeflossen seitdem,
ja.
Aber auch gefühlsmäßig waren, gerade als wir hergezogen sind, oft Momente, wo ich dachte,
ach krass, ja stimmt.
Ich meine, klar, ich hatte jetzt 16 Jahre in Westberlin gewohnt.
ich war immer so in Schöneberg und dann eben wir dann in Charlottenburg.
Und als wir hier ankamen, ich weiß noch, dann gab's in einem Café einen bestimmten Kuchen.
So eine Zitronenschnitte, das ist mit Butterkeksen gemacht irgendwie.
Und das war für mich echt wie eine Offenbarung.
Auf einmal, zack, ja, stimmt, das gab's auch.
Und ich weiß überhaupt nicht, wie die gemacht wird.
Ich müsste echt mal gucken.
Aber ich weiß, dass es die bei uns gab.
Oder eben diese Soft-Ice-Maschine.
Überall stehen Soft-Ice-Maschinen.
ich denke, hey, aber ...
kaum, ich habe keinerlei Soft-Ice-Erinnerungen an meine Kindheit.
Und bei uns gab es das nur.
Also, und eben da gibt es eine bestimmte Mischung irgendwie, weiß ich auch nicht, und
diese Maschinen und das ist einfach hier das Ding.
Oder auch eine Szene, die mich total zurückkatapultiert hatte, wir waren mal, oder ich,
ich weiß gar nicht, wir waren mal morgens spazieren.
vor der Arbeit, du nochmal, also dass man so ein bisschen sich bewegt, bevor man anfängt
zu arbeiten.
Und zu dem Zeitpunkt sind die Schüler zur Schule gefahren auf ihren Simson-Motorrädern,
Mopeds, Mopeds sind's, Und da hab ich so da gestanden, dachte, Gott, ja, das ist wie
früher bei uns zu Hause.
Aber ich glaube, dieselbe Nostalgie hättest du wahrscheinlich mit einer Sache,
irgendwie bei dir an der Schule stattgefunden hat.
Ja, es hat wahrscheinlich auch jede Generation irgendwie sowas, wo man zurückdenkt.
Bei uns wird es halt, also, ja, stören tut es mich nicht, aber ich finde es manchmal so,
bei uns, in unserer Generation wird es halt so sehr an Ost und West so hoch stilisiert.
Ich glaube ja, dass eigentlich jede Generation irgendwo so einen Moment hat und wenn man
dann zurückdenkt, hat man dieses Gefühl, ja, früher war alles besser.
Wir haben halt bei uns dieses große historische, geschichtliche Ereignis mit in der
Biografie.
Und an dem wird alles so bisschen festgemacht.
Und das finde ich manchmal so bisschen schade.
Ich habe ja auch manchmal das Gefühl, dass wir halt diese Geschichten oder an diesen
Grenzen oder an diesem Ost-West festhalten, weil es uns ja vielleicht auch so bisschen
Sicherheit gibt.
Wenn man noch von Ost und West redet, das vielleicht noch, weil es all diese Erinnerungen
dann halt auch wieder zurückholt.
Es ist bestimmt auch eine Erklärung für vieles.
ja, Menschen brauchen ja Erklärungen, um Sachen einordnen zu können.
oder auch grundsätzlich, das ist halt...
in der Generation meiner Eltern zum Beispiel eben so große Unterschiede gibt, dass da eben
Menschen kleine Renten bekommen, ausgründen, weil ich bin jetzt in dem Thema nicht so tief
drin, aber es ist ja ein Fakt.
Und dann hat man natürlich immer wieder diesen Punkt, auf den man zurückgeworfen wird, so
das ist weil.
Weil eben viel Arbeitslosigkeit war oder schlecht verdient wurde und so weiter und so
fort.
Und das ist ja bis heute so.
Obwohl wahrscheinlich gibt es dasselbe Gefälle zwischen Nord und Süd.
Da haben wir es wieder, ne?
ist es halt so.
Warum ist es im Ost und West?
Also frag mal jemanden, irgendwo in Schleswig-Holstein auf dem Land lebt und jemand, der
in Bayern, in München, in der Stadt lebt.
Da wird es auch ein Riesengefälle geben, aber es ist halt irgendwie nicht thematisiert
oder da gab es halt nicht diesen großen geschichtlichen Moment, an dem man das irgendwo
festmacht.
ich weiß nicht, ob das vielen so bewusst ist, aber wir hatten das auch mal, Thema.
haben wir uns ja ein bisschen fast gestritten.
Also für meinen Vater, für meine Familie und auch dann nachher für mich in der Ausbildung
war das durchaus ein Thema.
Es gab ja in der Zeit, wo die Mauer geschlossen war, gab es eine sogenannte Berlinszulage.
Und für mich in der Ausbildung war das nicht unerheblich in meiner Ausbildungsvergütung.
Und dies dann, während ich in der Ausbildung war, irgendwann weggefallen.
Und da habe ich genau das gleiche Gefühl gehabt.
Mir wird was weggenommen.
Ich habe weniger Geld zur Verfügung.
Warum jetzt nur, die kommen?
Und dann sollte ich auch noch einen Solidarzuschlag zahlen.
Also wenn man das jetzt so kritisch sehen würde.
Ich habe auch zwei Momente gehabt, wo ich sagen konnte, da ist mir jetzt das weggenommen
worden, weil der Ossi dazu kam oder so was.
So ist es immer unterschiedlich, von wo man kommt.
Ja, aber trotzdem hat es sich für mich
ausgewegt und ist in meinem Gedächtnis geblieben.
Und das finde ich immer so krass, weil jeder von uns hat eine eigene Geschichte erlebt.
Und es gibt ja wahrscheinlich noch viel, mehr Menschen uns drum herum, die noch komplett
andere Geschichten erlebt haben.
Und das ist deswegen halt irgendwie immer so nicht zu vergleichen.
Es wird halt immer so verallgemeinert, ne?
muss, das war dann halt auch schon fünf Jahre nach der Wende.
Dem Ossi geht's schlechter, dem Wessi ging's besser und der Wessi hat den Ossi überbügelt
und ich find's so schade, weil ich glaub, es gibt Geschichten in alle Richtungen und
deswegen soll die Podcast-Folge heute ja auch irgendwie nur der Anfang gewesen sein und
mal gucken, wir planen eventuell eine neue Podcast-Folge und zwar unbegrenzt.
Und da wollen wir über noch viel mehr so grenzüberschreitende Geschichten reden, aber
nicht nur über die von Vanessa und mir, sondern vor allem über eure, also die anderen
Erfahrungen, die ihr gesammelt habt und darüber reden, was habt ihr erlebt, was bewegt
euch noch bis heute und worüber wolltet ihr aus dieser Zeit vielleicht schon immer mal
reden.
Also jeder, da Lust drauf hat, der da Bock drauf hat, tolle Geschichte zu erzählen hat und
es müssen nicht nur die
großen Sachen sein, sondern es sind manchmal ...
die kleinen, die viel spannender und ...
interessanter sind.
Meldet uns euch doch einfach mal bei uns.
Also entweder in den Kommentaren oder ihr kommt ...
...
auf unsere Instagram-Seite und schreibt uns da ...
oder geht auf die Webseite unbehindert-podcast.de ...
oder ihr schreibt uns eine E-Mail an arne@unbehindert-podcast.de.
Also meldet euch bei uns,
Und dann reden wir auch über eure Geschichten.
Was habt ihr erlebt und wie habt
die Grenzen und diese Grenzüberschreitung und das Weglräumen von Barrieren in dieser Zeit
erlebt?
Oh, da bin ich so gespannt.
Das ist so ...
auch fast ein bisschen Zeitdokumentation.
Also das, auch oft irgendwie bemängelt wird.
Wer hört die Geschichte sich an?
Wir hören sie uns an und würden uns total freuen, wenn ihr mitmacht.
Und ich bin mir ganz sicher, dass uns da noch viele, viele Sachen mehr einfallen, als über
die wir heute gesprochen haben.
Aus unseren
eigenen Erlebnissen und unseren eigenen Familien, die wir dann natürlich auch gerne
erzählen werden.
ja, bis dahin bleibt uns treu, liked es, teilt es, verbreitet es, erzählt anderen darüber,
was wir vorhaben, damit wir möglichst viele Menschen zusammen bekommen.
Und uns bleibt eigentlich nur, wie immer zu
sagen,
auf Wiederhören!
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